26.03.2018

«Ein hilfreiches Instrument für qualitätsbewusste Investoren»

Roland Stulz: Architekt und Mitbegründer der 2000-Watt-Gesellschaft.

Herr Stulz, Sie sind Architekt und gleichzeitig Mitbegründer und Vordenker der 2000-Watt-Gesellschaft. Wie lassen sich diese Ideologie und das tägliche Arbeiten als Architekt vereinbaren?
Die Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft haben sich längst aus der ideologischen Ecke in allgemein akzeptierte Rahmenbedingungen der Praxis für zukunftsfähiges Bauen und Bewirtschaften weiterentwickelt. Praktisch alle Normen, Gesetzgebungen und Zertifikate der letzten zehn Jahre bilden – insbesondere für Neubauten – die Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft rechtsverbindlich ab. Somit lassen sie sich mit der Praxis bestens vereinbaren.

Braucht es Zertifikate wie «2000-Watt-Areal», um die Ziele der Energiestrategie 2050 zu erreichen?
Das Areal, oder das Quartier, ist der ideale Rahmen, um Nachhaltigkeit in der Stadtentwicklung zu realisieren. Hier können die wesentlichen Faktoren einer energieeffizienten und nachhaltigen Zukunft wirksamer koordiniert und ganzheitlich optimiert werden als bei einzelnen Gebäuden. Mit der Beurteilung der Liegenschaften und der entsprechenden Energieversorgung (Vernetzung) sowie dem Standort und dem öV-Angebot für die Mobilität, um nur die wichtigsten Faktoren zu nennen, leistet es einen wesentlichen Beitrag an die ES2050.

Der Prozess ist relativ komplex und aufwändig. Inwiefern lohnt sich eine Zertifizierung als «2000-Watt-Areal» in Transformation? Wäre es nicht einfacher, die Areale einfach abzureissen und neu zu bauen?
Die Zertifizierung als 2000-Watt-Areal ist wesentlich einfacher und kostengünstiger als alle vergleichbaren Zertifikate. Für qualitätsbewusste und langfristig rechnende Investoren und Eigentümer ist dieses Zertifikat ein hilfreiches Instrument. Es schafft Transparenz für die Planung und den Betrieb eines Areals und berücksichtigt die Lebenszykluskosten. Der Prozess dient im Dialog zwischen Investoren, Politik, Behörden und Planern und als Entscheidungsgrundlage. Die Zertifizierung ist nicht komplex und aufwändig, weil sie nur Daten verwendet, die auf bestehenden Planungs- und Betriebsprozessen aufbauen und bereits darin enthalten sind.

Gibt es Beispiele, bei denen sich diese Richtlinien nicht umsetzen lassen, respektive daraus Nachteile entstehen?
Die Projektleitung der 2000-Watt-Areale handhabt die Richtlinien so, dass sich das Zertifikat sinnvoll anwenden lässt. Spezielle Situationen, wie z.B. Altstadtquartiere, ländliche Gebiete oder eine unklare Organisation können eine Zertifizierung schwierig machen. In diesen Fällen suchen wir mit dem Zertifizierungsverfahren die bestmögliche Lösung und unterstützen und begleiten die Projekte auch kommunikativ.

Gibt es Mieter und Immobilienbesitzer, die gar keine Transformation im Sinne der Nachhaltigkeit wollen?
Gemäss unserer Erfahrung wünschen Mieter praktisch immer eine nachhaltige Lösung. Sie spart Heiz- und Unterhaltskosten, bietet ein sozial und städtebaulich besseres Projekt und schafft einen Lebensraum von hoher Qualität. Das gilt auch für die meisten Investoren.

Logo Energie Schweiz

Detail